Sternenpark Rhön - Himmelsvorschau
Sternschnuppen, Mond- und Sonnenfinsternis: Viel los während der Sternenparkwochen
LANDKREIS FULDA, 28.07.2026. Der August bietet für Nachthimmel-Begeisterte ein besonderes Spektakel. Genau zur richtigen Zeit starten auch in diesem Jahr wieder die Rhöner Sternenparkwochen. Was es am Augusthimmel neben den Perseiden noch Spannendes zu beobachten gibt, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
„Es fiel ein Stern, habt ihr gedacht, aus weiten, unbekannten Fernen. Ging unter er in dunkle Nacht? Blieb er am Himmel bei den Sternen?“ Im Gedicht „Sternschnuppe“ aus der Sammlung „Himmelsgedanken“ (1900) legt sich Karl May mit der modernen Technik an, die den Sternschnuppen Konkurrenz macht. Daran sei erinnert, denn es wieder so weit: Auf unserer Bahn um die Sonne sausen wir wieder durch den Bereich, der uns die August-Sternschnuppen, die Perseiden, beschert. Es ist der Staub des Kometen 109P/Swift-Tuttle, der mit enormer Geschwindigkeit in unsere Erdatmosphäre eindringt und unsere Lufthülle zum Leuchten anregt. Jede klare Nacht ist im August zur Beobachtung geeignet. Am besten ist die Zeit nach Mitternacht, weil dann der Fluchtpunkt, also der Punkt, von dem aus den Sternschnuppen sich über den gesamten Himmel verteilen, hoch genug über dem Horizont steht. Dieser Fluchtpunkt liegt im namensgebenden Sternbild Perseus.
Wenn der Mond die Sonne berührt…und die Erde zu Schatten verführt.
Magische Mondaufgänge am dunklen Himmel
Kurz nach Vollmond beginnen die Augustnächte zunächst im Licht des abnehmenden Mondes. Von Abend zu Abend geht der Mond jedoch immer später nach Sonnenuntergang auf und erscheint dadurch erst am bereits dunklen Himmel. So wird man beim Sternschnuppen-Schauen nicht nur mit den Perseiden, sondern auch mit besonders stimmungsvollen Mondaufgängen verwöhnt. Die von Nacht zu Nacht schmaler werdende Mondsichel stört die Sternschnuppen-Sicht immer weniger. Und die Neumondphase am 12. August sorgt für ein weiteres Himmelsspektakel: eine totale Sonnenfinsternis über Europa, die mit einem Bedeckungsgrad von 88 % auch auf unseren Breiten den Namen verdient. Sonnenfinsternisse gehören zu den beeindruckendsten Himmelserscheinungen und faszinieren die Menschheit seit Jahrtausenden. Früher lösten sie oft Angst und Ehrfurcht aus, da ihr Auftreten unerklärlich schien. Heute können wir sie bis auf die Sekunde genau berechnen, doch ihre besondere Wirkung bleibt ungebrochen. Eine Sonnenfinsternis entsteht durch eine präzise geometrische Konstellation von Sonne, Mond und Erde. Nur wenn der Mond bei Neumond exakt zwischen Erde und Sonne steht und sein Schatten die Erdoberfläche trifft, kommt es zu diesem Phänomen. Da die Mondbahn gegenüber der Erdbahnebene geneigt ist, verfehlt der Mondschatten die Erde meist, sodass nicht bei jedem Neumond eine Sonnenfinsternis stattfindet. Doch am 12. August schiebt sich der Mond auf seiner Umlaufbahn exakt zwischen Sonne und Erde und wirft dabei seinen Schatten als schmalen Streifen von 100 bis 200 Kilometern auf die Erdoberfläche. Dieser Streifen – die Totalitätszone – verlaufen von Grönland über Island nach Spanien.
Freier Blick nach Westen für den verfinsterten Sonnenuntergang
Zu beachten ist, dass die Finsternis am Frühabend beginnt, wenn um 17:45 Uhr der Mond die Sonne berührt. Die maximale Bedeckung von 88 % wird gegen 19:45 Uhr erreicht sein, und noch leicht verfinstert geht die Sonne knapp eine halbe Stunde später unter. Das bedeutet, dass man zur Beobachtung einen möglichst freien Blick Richtung Westen hat, wie es die Rhöner Hügel im Land der offenen Fernen mit Fenster zum Universum vielerorts zulassen.
Nach und nach verwandelt sich der Tag in die Nacht, und im Westen zeigt sich die Venus als Abendstern. Mit Beginn der astronomischen Dämmerung gegen 23 Uhr ist dann auch die Bühne frei für die Nacht der Sternschnuppen. Das Maximum der Perseiden findet in der Nacht vom 12. auf den 13. August statt – himmlisches „Konfetti“ ohne Mondlicht, denn der Mond hält sich ja in der Nähe der Sonne auf.
Mondfinsternis am 28. August
Doch der August-Vollmond führt noch zu einem weiteren Spektakel. Am frühen Morgen des 28. August ab 5 Uhr wandert unser Mond durch den Kernschatten der Erde und wird dabei gegen 6:15 Uhr mit fast 93 % fast vollständig verfinstert, indem die Erde – die nun zwischen Mond und Sonne steht – ihren Schatten auf den Mond wirft. Und während der Mond gegen 6:30 Uhr verfinstert am Westhimmel untergeht, tritt die Sonne am Osthimmel ihre Tagesreise an und verzaubert mit der Dämmerung.
Wie schon im Vormonat Juli wird auch der August-Sternenhimmel vom Sommerdreieck, das aus den Sternen Wega (Leier), Deneb (Schwan) und Altair (Adler) besteht, dominiert. Endlich sind die Nächte auch wieder dunkel genug, um in die Milchstraße einzutauchen, die sich nun wie ein silbriges Band über den Himmel zieht – vom Sternbild Cassiopeia im Norden über die Sternbilder Schwan und Adler bis zum Skorpion und Schützen tief im Süden. Reich an Objekten wie Sternhaufen, Gasnebeln und Dunkelwolken, lohnt sich in dunklen Nächten schon ein Blick mit dem Fernglas, um die Faszination Sternenhimmel zu erleben.
Sternenparkwochen und „Licht aus“
Um die Faszination Nachthimmel geht es wieder während der Sternenparkwochen im länderübergreifenden UNESC-Biosphärenreservat Rhön, die dieses Jahr vom 1. bis 23. August stattfinden. Unter den Veranstaltungen sind auch zahlreiche Angebote, die den Lebensraum Nacht in den Fokus rücken. Denn die künstliche Aufhellung der Nacht ist eine der tiefgreifendsten Umweltveränderungen der vergangenen Jahrzehnte. Forschungsergebnisse zeigen, dass die Auswirkungen künstlicher Beleuchtung auf nahezu allen Ebenen des Lebens nachweisbar sind. Betroffen sind Mikroorganismen, Wirbellose, Tiere und Pflanzen sowie alle Lebensräume – von Gewässern und Wäldern bis hin zu offenen Landschaften und Siedlungsräumen. Keine Technik löst das Problem, denn Kunstlicht reflektiert immer und ist und bleibt eine schädliche Umwelteinwirkung.
Französische Verhältnisse rund um das „Licht aus“-Wochenende
Rund um den 8. August nehmen wieder zahlreiche Kommunen am „Licht aus“-Wochenende teil. Einige, darunter Ehrenberg (Rhön) schalten ihre öffentliche Beleuchtung komplett aus, andere verzichten auf Anstrahlungen. Einen ganz besonderen dauerhaften Beitrag zur Biodiversität und zur Nachthimmelqualität leisten die Rhöner Kommunen wie Tann (Rhön), Ebersburg, Schondra oder Gersfeld (Rhön), die teils schon viele Jahre ganzjährig zur späten Uhrzeit abschalten.
Was hierzulande noch eine Besonderheit ist, ist in Frankreich schon vor längerer Zeit angekommen. Die französische Politik empfiehlt zum Schutz der Biodiversität die nächtliche Abschaltung, und rund 20.000 Kommunen nehmen bereits ganzjährig teil. Ziel des „Licht aus“-Wochenendes während der Rhöner Sternenparkwochen ist, die Maßnahme weiter bekannt zu machen, sodass sich noch mehr damit auseinandersetzen. Denn es sind nicht wenige, die es schätzen, wenn zur Nachtzeit kein Kunstlicht in Gärten und Schlafräume dringt, und wenn stattdessen die sternreiche Dunkelheit vor der eigenen Haustür sichtbar wird – und dabei auch noch wertvolle Energie gespart wird.
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.
Infos zum Sternenpark
Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des Biosphärenreservats: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

