Sternenpark Rhön - Himmelsvorschau
Himmelsvorschau für Dezember
Besinnliches Sternenfunkeln und Weihnachten der Gartentiere mit Sternschnuppen
LANDKREIS FULDA, 28.11.2025. Was uns die Sterne im Dezember bringen und warum es für besinnlichen Weihnachtszauber kein Kunstlicht braucht, erklären Sabine Frank, Sternenpark-Beauftragte beim Landkreis Fulda, und Hobby-Astronom Dr. Franz-Peter Schmidt in ihrer monatlichen Himmelsvorschau.
„Siehst du den Stern im fernsten Blau, der flimmernd fast erbleicht? Sein Licht braucht eine Ewigkeit, bis es dein Aug`¬¬¬¬¬¬¬ erreicht.“ Wer ist nicht, wie Gottfried Keller, der Verfasser dieses Gedichts, fasziniert vom winterlichen schwarzen Firmament voll funkelnder echter Sterne? Kaum ein Monat eignet sich besser, dieses natürliche Funkeln wahrzunehmen – denn schließlich locken die Weihnachtsmärkte viele Menschen nach draußen.
Funkelkönig Sirius an Silvester
Nimmt man ein Fernglas zur Hand und betrachtet einen Stern, der noch tief am Horizont steht, wird man sehen, dass der ausgewählte Stern in allen Farben funkelt. Ein Effekt, hervorgerufen durch unsere Atmosphäre, der jedes künstliche Plastik-LED-Licht um Längen aussticht und Ewigkeiten überdauern wird. Kein Stern vermag dabei so zu funkeln wie Sirius, der hellste Stern im Sternbild Großer Hund. An Silvester steht Sirius zur Mitternacht im Süden und glitzert magischer als jedes irdische Kunstlicht in allen Farben. Nicht umsonst wird Sirius auch der Rainbow-Star genannt. Sein Licht braucht keine Ewigkeit, bis es unser Auge erreicht – mit einer Entfernung von 8,6 Lichtjahren ist er auf unseren Breiten der nächst gelegene sichtbare Stern.
Wintersonnenwende im zunehmenden Mondlicht
Kurz vor Weihnachten passiert die Sonne am 21. Dezember um 16:03 Uhr den tiefsten Punkt ihrer Jahresbahn – damit beginnt der Winter, und nach und nach werden die lichten Tagesstunden ganz allmählich wieder länger. Wer aufmerksam beobachtet, wird merken, dass die Sonne im Winter zwar sehr tief steht, der Mond dafür sehr hoch. Das liegt natürlich an unserer Erdachsenneigung und unserem¬¬¬¬ Umlauf um die Sonne. Die winterliche Vollmondphase rund um den 5. Dezember spendet genug Naturlicht, um den Strom für die Straßenbeleuchtung und die ganze weihnachtliche Kunstlichtorgie einzusparen, wenn man keine Taschenlampe mit sich führt.
Mit Neumond am 20. Dezember wird die Weihnachtswoche dann von der zunehmenden Mondsichel verschönert. Den gesamten Dezember über sieht man auch den strahlend hellen Planeten Jupiter in den Zwillingen am Osthimmel und Saturn im Südwesten. Am Himmel lassen sich die Planeten und Sterne gut unterscheiden – den Planeten funkeln nicht.
Der Sternenhimmel im Fernglas
Die natürlich und üppig illuminierte Sommer-Milchstraße spannt sich bereits am frühen von Nordost nach Südost. Im Zenit und Richtung Westen erkennen wir die markanten Sternbilder Kassiopeia, auch „Himmels-W“ genannt, die natürliche Lichterkette des Perseus, und etwas südwestlich Andromeda. An guten Standorten kann man im Sternbild Andromeda mit bloßem Auge ein kleines, verwaschenes Fleckchen erkennen. Mit einem kleinen Fernglas – ein hervorragender Geschenktipp – offenbart sich die beeindruckende Struktur unserer Nachbargalaxie Andromeda, Heimat von ca. einer Billion Sonnen in einer Entfernung von 2,5 Millionen Lichtjahren. Auch entlang des Perseus bietet die Tour mit dem Fernglas ein funkelndes Vergnügen. Hier zeigen sich mehrere Sternhaufen wie der berühmte Doppelsternhaufen h und χ Persei. Wandert der Blick Richtung Osten, wird auffallen, dass die gesamte östliche Himmelshälfte nun reich an hellen Sternen ist. Und auch dort gibt es Weihnachtsbeleuchtung ohne Strom – wie die auffälligen Plejaden oder der offene Sternhaufen der Hyaden rund um den Stern Aldebaran im Stier oder der markante Himmelsjäger Orion.
Sternschnuppen – himmlisches Licht ohne Plastik
Wer sich nicht selbst mit leuchtenden Plastikprodukten den Sternenhimmel raubt, für den bietet der Dezember einen der spektakulärsten Meteorströme: die Geminiden mit ihrem Fluchtpunkt im Sternbild der Zwillinge, lateinisch Gemini. Rund um das Maximum am 13. Dezember mit durchschnittlich um die 50 Sternschnuppen pro Stunde sind sie vom 4. bis 20. Dezember aktiv und bieten als Überbleibsel des Asteoriden (3200) Phaeton typischerweise die hellsten Sternschnuppen nach dem Maximum. Das Schöne an den Geminiden ist, dass ihr Fluchtpunkt im Sternbild Zwillinge die ganze Nacht über sichtbar ist, weshalb man schon ab den frühen Abendstunden Sternschnuppen sieht.
Natürliche Helligkeit und Rücksicht auf die Gartenbewohner
Mit der hellsten Mondphase des Jahres, der Milchstraße, den hellen Wintersternen und den Sternschnuppen ist der Dezember gar nicht so dunkel, wie er oft beschrieben wird. Wird uns dieses wahre Licht, wie die Menschen es schon zu Christi Geburt gesehen haben, aber nicht durch das viele Plastiklicht genommen? Und nimmt uns das Kunstlicht nicht damit auch den Blick auf das Wesentliche der Weihnachtszeit: Bescheidenheit und Besinnlichkeit? Weniger Kunstlicht bedeutet mehr echtes Sternenlicht, und davon würden auch die Freudenbringer in unseren Gärten, die Singvögel, profitieren. Denn sie sind wie wir Menschen auf natürliche Nächte zur Erholung angewiesen.
Wir wünschen allen Sternenbegeisterten ein Frohes Fest und ein gutes Neues Jahr mit vielen dunklen Nächten und interessanten Beobachtungen.
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.
Veranstaltungen im Sternenpark Rhön finden Sie auf www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark
Hintergrund: Sternenpark Rhön
International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.
Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung den Nachthimmel und somit wiederum die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.
Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil und bedarfsorientiere Beleuchtung und Intensität, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen freiwillig entscheiden.
Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben.
Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.
Infos zum Sternenpark
Die monatliche Himmelsvorschau, ausführliche Informationen zum Sternenpark, zum Thema Schutz der Nacht und umweltverträgliche Beleuchtung sowie Erlebnisangebote und Veranstaltungen im Sternenpark Rhön findet man auf der Webseite des Biosphärenreservats: www.biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark

